Reinheit und Klarheit – Japan


Eine Rundreise durch Japan bedeutete für mich: Staunen von der ersten bis zur letzten Minute. Ich kenne kein Land, das so modern, so futuristisch und so traditionell zugleich ist!

 

Ein ganz besonderes Erlebnis ist die private Villa von Mr. Matsubayashi. Ein Haus wie eine Meditation, ideal um die Alltagswirrungen wirklich hinter sich zu lassen und den Kopf zu sortieren. Das Bauernhaus mit einem traditionellen Kaya Schilfdach liegt in den Bergen, zwei Autostunden von Osaka entfernt. Es ist umgeben von einem klassischen japanischen Garten, in dem ein Wasserspiel gurgelt. Der Kies rund um die kunstvoll beschnittenen, knorrigen Kiefern ist akkurat geharkt. Im Hintergrund liegen Berge, die der Fächerahorn am Ende des Jahres in sein prächtiges Rot taucht. Der Herbst ist nach der Mandelblüte im Frühjahr wohl die schönste Reisezeit.

 

Das Herz der Unterkunft ist das Wohn-Schlaf-Zimmer mit einer „Irori“-Feuerstätte, an der abends Shabu Shabu – japanischer Feuertopf – zubereitet wird. Die Wände sind aus Lehm und die Türen mit Papier bespannt. Die Einrichtung ist reduziert, also eigentlich gibt es keine Möbel. Es ist ein großer heller Raum, ausgelegt mit Tatami-Matten aus gepresstem Reisstroh, die einen angenehmen Duft verströmen – die einzige Dekoration ist eine weiße Blüte in einer handgetöpferten Tonvase. Es gibt weder Stühle noch ein Sofa und sogar das Bett fehlt – erst am Abend werden die Futons ausgerollt.

 

Westliche Designvorstellungen hat der Hausherr bewusst ferngehalten. „Es geht um die Balance von Zivilisation und Natur, von Stadt und Land, von Fortschritt und Glück“, erklärt er. „Hier soll der Geist die Möglichkeit haben, zur Ruhe zu kommen.“

 

Japan pur! Das laute Bling-Bling der Großstädte findet hier nicht statt. Stattdessen führt Mr. Matsubayashi seine Gäste in die japanische Lebensart ein. Der praktizierende Yamabushi-Mönch nimmt mich mit zu seinem morgendlichen Ritual an den heiligen Wasserfällen von Akame. Die Wanderung im Frühnebel, entlang des Flusses, beginnt er mit einem kräftigen Stoß in das Horagai-Muschelhorn. Der tiefe, mystische Ton hallt noch lange an den Felswänden wider.