Auge in Auge mit dem Silberrücken – Ruanda

Der Weg zu den Berggorillas im Volcanoes National Park in Ruanda ist jeden Morgen ein anderer. Täglich entscheiden die Menschenaffen neu, wo sie ihr Nachtlager aufschlagen und ihre Blätter-Nester bauen. Gut, dass die Ranger die Fährten der Primaten lesen gut können und dann die Besucher durch den wilden Dschungel zu ihnen führen. Für mich sind diese Spuren absolut unsichtbar. Ein paar verbogene Grashalme, eine Vertiefung in der Erde – mehr ist da nicht. Oder doch? Nach gut drei anstrengenden Stunden im Gelände habe ich plötzlich dieses Gefühl, das mich innehalten lässt. Ein fremder Geruch, der den ganzen Wald erfüllt. Unglaublich intensiv, ungewohnt, streng. „Das ist der Geruch des Silberrücken“, erklärt mir mein Guide. Und tatsächlich hockt da unter einem Baum, keine 20 Meter von mir entfernt, ein gigantischer Menschenaffe und kaut auf einem Stück Bambus.

 

Sein Blick trifft mich bis ins Mark. Ein Gefühl von Demut, Ehrfurcht, Bewunderung und auch ein wenig Angst macht sich in mir breit. Schließlich stehe ich dem Muskelprotz eins zu eins, von Angesicht zu Angesicht und nicht wie im Zoo, durch dickes Panzerglas getrennt, gegenüber. Zwar sind Gorillas grundsätzlich friedliebende Vegetarier, aber wenn man sie ärgert, können sie zubeißen. Adrenalin pur! So pur, dass ich sogar völlig vergesse, meine Kamera rauszuholen. Aber – nicht schlimm. Denn ich weiß, diese Begegnung werde ich für immer in meinem Herzen tragen.

 

Das Schöne ist: Wer die Berggorillas besucht, der trägt aktiv zum Tierschutz bei. Seit einigen Jahren geht Ruanda einen eigenen Weg zur Protektion dieser seltenen Tiere. 1.500 Euro pro Person zahlt man für eine Trekking-Tour. Für den Massentourismus ist das Ökosystem viel zu fragil, die Idee, von wenigen Besuchern hohe Eintrittsgelder zu verlangen, sorgt hoffentlich dafür, dass auch noch die nächsten Generationen diese wunderbaren Wesen in freier Wildbahn erleben können!

 

Ein idealer Ausgangspunkt für die Affen-Beobachtung ist die exklusive „Singita Kwitonda Lodge“, wo man abends an der Feuerstelle sitzt, in den Sternenhimmel über dem Vulkan schaut und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lässt.