Oh, mein Ladakh

Clemens Kuby suchte ein Land, das unverbraucht von der Zivilisation, aber mit einem hohem Maß an Intelligenz ausgestattet ist. Gefunden hat er es in Ladakh, wo die Bevölkerung für alles Moderne wie Auto, Handy, Computer und Kamera nur ein einziges Wort kennt: Moto. Aber für eine so wichtige Empfindung wie Bewusstsein mehr als 20 Begriffe hat. Sein Dokumentarfilm „Das Alte Ladakh“ erhielt in den Achtzigern sogar den Deutschen Filmpreis. Das liegt jetzt 25 Jahre zurück, trotzdem hat es mich so fasziniert, dass ich dort hingeflogen bin, in das entlegene Zipfelchen Indiens, auch bekannt als „Little Tibet“.

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Nur eine Flugstunde von Delhi entfernt, erlebt man hier auf 3500 Metern Einstiegshöhe eine „atemberaubende“ Welt, die beeindruckt und bewegt.

Vor den imposanten Bergen des Himalayas lässt die herbe Geröllwüste die kleinen Dörfer wie grüne Oasen erscheinen, durchzogen von Flüssen in Glitzertürkis oder Blitzeblau. Und dann passiert Folgendes: Ganz früh morgens wandert man durch die Felder, entlang der Flüsse hoch zum Kloster. Die Landschaft ist wie gemalt, unterwegs eine Bauersfrau, die ganz andächtig vor sich hin wandert und ihre Gebetsmühle dabei rollt. „Jullay“, ruft sie freundlich herüber, fünf Minuten später sitzt man dann in ihrem Haus und trinkt Buttertee mit der ganzen Familie. Später im Kloster: noch mehr Tee. Diesmal mit den Mönchen; die beten, lächeln und freuen sich auch über den Besuch.

Konsultation beim tibetischen Doktor

Danach folgt eine Konsultation beim tibetischen Doktor, der umfasst kurz Ihr Handgelenk und sagt Ihnen daraufhin alles, was Sie wissen müssen. Wenn Sie das noch nicht überzeugt, dann konsultieren Sie einen der sechs Schamanen von Ladakh, die sagen Ihnen das Gleiche. Ladakh ist auch heute noch nahezu unberührt, bis auf ein paar Bergsteiger und eine Reihe von Rucksacktouristen: Deren Unterkünfte fangen bei 5 Dollar die Nacht an, ab 10 Dollar dann mit eigener Dusche.Aber seit kurzer Zeit gibt es ein kleines, ambitioniertes Projekt, das auch für anspruchsvolle Weltenbummler die Reise nach „Little Tibet“ ausgesprochen attraktiv macht. In jedem Dorf wurde ein traditionelles Haus mit einfachen Mitteln, aber gutem Geschmack, zu einem charmanten Hide-a-way renoviert.Authentisch und mitten im Geschehen, können Sie mit persönlichem Fahrer und Guide das kleine Land bereisen, quasi von Dorf zu Dorf per Pedes, Fahrrad oder Jeep. „Little Tibet“ ist ein besonderer Ort. Für das Bewusstsein gibt es hier nicht nur ganz viele Begriffe, sondern auch ganz neue Erkenntnisse für einen selbst.

Zeit wird hier oben relativ, und die moderne Welt relativiert.