Feuer und Eis, Gletscher und Wasserfälle – Island ist ‚hot‘!

Die größte Vulkaninsel der Welt ist eine Schatzkiste für Weltenbummler, die auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen sind. Die Naturkulisse ist einzigartig und die Isländer selbst sind ein Volk, das mit viel Kuriosem überrascht.

Bereits das alltägliche Morgenritual der Einwohner ist ungewöhnlich: Der Isländer beginnt den Tag mit einem Bad in einer heißen Quelle, oftmals auch im sogenannten ‚Hot Pot’. Stellen wir uns also vor, da sitzen morgens alle miteinander in diesen dampfenden Töpfen: Politiker neben Hausfrauen, Journalisten, der Bäcker von nebenan und obendrein der Klassenlehrer der 7b. So lassen sich in aller Ruhe die Tagespolitik und weitere wichtige Themen diskutieren. Anschließend geht es über ‚beheizte’ Bürgersteige in den Arbeitsalltag.
Jedes noch so kleine Dorf hat seine eigene Badeanstalt, die von natürlichen Geo-Thermalquellen erwärmt wird. Meistens haben die Isländer auch noch ihren eigenen ‚heißen Topf’ im Garten stehen – und der ist sogar zum Frühstückseier kochen geeignet. Fakt ist, dass Island die höchste Badewannendichte pro Kopf auf der Welt hat und darüber hinaus – eine eigene Feenbeauftragte. Feen und Trolle gehören hier quasi zur Gemeinde und werden liebevoll ‚die kleinen Menschen’ genannt. Allerdings kann die nicht jeder sehen, weshalb die zuständige Feenbeauftragte zum Beispiel beim Bau einer neuen Straße sicher stellen muss, dass kein Wohnort der ‚kleinen Menschen’ dabei gefährdet wird.

Reykjavík

Für den Urlauber beginnt die Rundreise durch dieses faszinierende Land mit seinen einmaligen Bräuchen und Sitten meist in Reykjavík – eine farbenfrohe und quirlige Stadt, die mittlerweile auch richtig edle Unterkünfte bietet. Reykjavík hatte schon immer ein ausschweifendes Nachtleben, die Sperrstunde ist hier 04.30 Uhr morgens! Der Bezirk 101 ist eine kilometerlange Straße, in der sich von der Diskothek bis zum Rocker-Café ein Laden an den anderen reiht. Auch Gourmets kommen in dieser Stadt auf Hochtouren, denn die Isländer kochen wie die Weltmeister. Manche Lokale sind so urig, bestückt mit umhäkelten Speisekarten oder alter Schiffsausrüstung, dass man wirklich ins Staunen gerät. Und manche auch ziemlich ungewöhnlich, wie zum Beispiel das Laundromat Café: Während die Wäsche in großen Waschmaschinen routiert, dreht sich die Wartezeit um 5000 Bücher, verschiedene Spiele und eine umfangreiche Speisekarte. So wird der Waschtag zum Happening – auch für wäschelose Touristen. Ach so, eins noch – Reykjavík hat das einzige Phallusmuseum der Welt. Hier finden sich über 200 Exponate verschiedenster Säugetiere und seit 2011 auch die großzügige Spende eines Mannes. Die sind schon schräg drauf hier auf der Insel.

Golden Circle Route

Die Golden Circle Route ist der perfekte Einstieg in die Märchenlandschaft der Insel mit ihren hunderten Wasserfällen und Geysiren. Sie wandern durch bizarre Gesteinsformationen, besuchen lokale Farmen, die Sie mit Hausmannskost quasi im Wohnzimmer verwöhnen, und machen einen Ritt auf den Easys, den berühmten Islandponys. Da diese Pferdchen einen fünften Gang haben, der quasi wie ein Ritt auf dem Sofa ist, ist das Reiten auch für Ungeübte ein überschaubares Abenteuer. Die Unterkünfte hier auf dem Land sind sauber und einfach. Wer es ein bisschen komfortabler möchte, für den gibt es auch private ‚Villen’ mit Chefkoch. Für eine ganz außergewöhnliche Nacht mitten im Nirgendwo empfiehlt sich das ‚Monsterwohnmobil’. Ein überdimensionaler Truck mit sechs Schlafzimmern und Bädern, der mit einem ‚Wohnzimmer- und Küchen Waggon’ nebst Küchenchef mitten in die Botanik, an einen einsamen See gestellt wird – Glamping at it’s best.

Westmännerinseln

Eines der vielen Abenteuer in Island ist ein Ausflug zu den Westmännerinseln, die auch das „Pompeji des Nordens“ genannt werden. Diese 15 Inselchen und Schären vor der Küste haben einen dampfenden Vulkan namens Eldfell, der bei einer Eruption 1973 ganze Straßenzüge der Siedlung in Schutt und Asche legte. Dieses einschneidende Erlebnis hat das Aussehen der Insel stark verändert und noch heute werden nach und nach Häuser ausgegraben.
Auf den Westmännerinseln landet man mit einer Fähre und lernt viel über jüngere Vulkangeschichte. Obendrein entdeckt man per pedes oder auf dem Rücken eines Islandponys eine faszinierende Landschaft, die vom Tourismus fast unberührt ist. Die Inseln sind beliebter Brutplatz zahlreicher seltener Vögel und die größte Papagaientaucher Kolonie des Landes ist hier auch zu Hause. Bei einer Bootsfahrt zwischen den Inselchen kann es im Sommer durchaus sein, dass eine Gruppe neugieriger Orkas Ihre Fahrt begleitet.

Islands Eiswelt

Im Skaftafell-Nationalpark erwarten Sie imposante Wasserfälle und gewaltige Naturlandschaften. Mittlerweile gehört er zu dem riesigen Vatnajökull-Nationalpark mit dem gleichnamigen größten Gletscher des Landes.
Lassen Sie diese Zahlen auf sich wirken: Der Gletscher umfasst eine riesige Fläche von ca. 8000 Quadratkilometern und ein Eisvolumen von 3000 Kubikkilometern! Das gewaltige Eis überdeckt zahlreiche Berge, Täler und Plateaus. Erkunden lässt sich diese Glitzerwelt am besten mit dem Boot: quer durch die gigantischen Gletscherzungen und vorbei an schneebedeckten Vulkanen und bizarren Felsformationen. In dem bitterkalten Wasser treiben Eisschollen, auf denen sich der ein oder andere tierische Lagunenbewohner gemütlich sonnt. Schaut man sich in dieser spektakulären Kulisse genauer um, dann erinnert das Szenario schnell an einige Blockbuster: Tomb Raider, Die Another Day, Batman – alle diese Hollywood-Streifen wurden hier in Szene gesetzt.

Mývatn

Reykjalio heißt das Städtchen im Nordosten Islands mit 250 Einwohnern, zwei kleinen Hotels, einem Dorfladen und einem Flughafen. Dorthin fährt oder fliegt man, um den berühmten Mývatn zu besuchen, den Mückensee. Seinen Namen verdankt er – den Mücken. Im Sommer fühlen sich diese an dem flachen See recht wohl, denn hier schlüpfen ihre Larven unter besten Vorraussetzungen. Keine Sorge! Die meisten stechen nicht, sondern rauschen im Hochsommer wie kleine, schwarze Tornados übers Land. Schöner Nebeneffekt: Der See ist ein Fischparadies und Heimat zahlreicher und auch seltener Entenarten.
Das Gebiet rund um Mývatn ist immer noch vulkanisch hochaktiv, da hier die eurasische an die amerikanische Kontinentalplatte stößt, deshalb muss man hier hin. Die Lavaformationen sind außergewöhnlich und der gigantische Anblick des Explosionskraters des Hverfjall ist ein berühmtes Fotomotiv. Östlich davon liegen die Solfatarenfelder: Hier blubbert eine riesige Schlammpfütze neben der anderen munter vor sich hin, manche der Tümpel tun dies ganz gemütlich, andere kochen richtig hoch und spritzen ihre graue Brühe über mehrere Meter in die Höhe. Man fühlt sich wie in einem dampfenden Waschsalon, denn überall zischt und brodelt es – herrlich. Schade nur, dass die alte Badegrotte mittlerweile auch auf 60 Grad heizt, da wird es nichts mit einem romantischen Bad im heißen Quell.

Islands blaue Lagune

Bei Reykjavík findet sich die berühmteste heiße Quelle Islands – die blaue Lagune. Dieser Salzwassersee ist eher durch Zufall entstanden, denn einst war er bloß der Überlauf eines Geo-Thermalkraftwerkes. Kennt man die Isländer, liegt es auf der Hand, dass auch irgendwann dieses heiße Becken zur Badelandschaft avancierte. Denn das entspannende Wasser hat auch noch einen hervorragenden Nebeneffekt: Es regeneriert die Haut. Heute ist die Lagune eine 5000 Quadratmeter große, blau glitzernde Badewanne mit Temperaturen zwischen 37 und 42 Grad und einem angeschlossenem Wellnesshotel.
Als ich das erste Mal in Island war, mitten im bitterkalten Winter, war die blaue Lagune der erste Stopp auf dem Weg vom Flughafen nach Reykjavík. Damals gab es nur einfache Umkleidekabinen aus Holzbrettern und wenig Komfort, dennoch servierte ein Kellner mit Frack-Badeanzug den blauen Cocktail stilgerecht auf dem Silbertablett mitten im See. Heute ist alles eleganter und etwas kommerzieller inklusive einer im Wasser integrierten Pool-Bar. Die perfekte Idee nach einer Rundreise durch das wilde Island ist eine Übernachtung im Blue Lagoon Clinic Hotel mit ausgiebigen Bädern, Massagen und Spa-Behandlung. Danach geht es rundum erneuert an den Flughafen in Richtung Heimat.