Die Reise zum rosa Delphin

Logenplatz mit acht Knoten: Ein edles Schiff – vier Suiten, Lounge und Küchenchef – cruist durch die unberührte Flusslandschaft des Amazonas

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Die einen besingen ihr Land in Liedern, andere preisen es in Büchern oder Filmen. Aldo und Lissy Macchiavello wählten einen anderen Weg: Sie kauften ein altes Flussschiff und restaurierten es von Bug bis Heck. 2006 lief die Delfin I vom Stapel, das erste Luxusflussfahrtschiff Perus. Das Boot ist die Liebeserklärung des Paares an den Amazonas. Seine Quellflüsse entspringen in 5 000 Meter Höhe in den peruanischen Anden, stürzen viele Kilometer später in engen Felsbetten hinab und vereinen sich zum wasserreichsten Fluss der Erde. Jedes Jahr überschwemmt er den Regenwald in gewaltigen Dimensionen, ganze Urwaldinseln versinken und tauchen nach Monaten wieder auf. Durch diese neugeborene, vom Amazonas genährte Natur kreuzt die Delfin I.

Die Delfin I&II sind schwimmende Boutique-Hotels

Der Ex-Banker und seine Frau begrüßen ganzjährig Gäste, die so individuell reisen wollen wie sie selbst. Ihr 20-Meter-Schiff, inzwischen runderneuert, ist ein schwimmendes Boutique-Hotel für acht Gäste. Vier Suiten liegen auf dem Haupt- und Oberdeck, jede mit rund 32 Quadratmetern plus gleich großer Veranda, zwei mit Jacuzzi. Glasfronten, viel honigfarbenes Holz und helle Stoffe verwandeln das Boot in ein Floating Home. Ähnlich komfortabel ist das zweite Schiff der Macchiavellos, die Dolfin II, nur neuer und doppelt so lang, mit 14 Suiten à 20 Quadratmetern. Das Abenteuer startet zwei Flugstunden von Lima entfernt in Iquitos mit einem Omnibus von Mercedes-Benz. Nur die deutschsprachige Leuchtanzeige „Bus hält“ über dem Fahrer erinnert noch an die frühere Bestimmung des schick gepolsterten Gefährts. Zwei Stunden später hält es wirklich, am Hafen von Nauta, wo in der Lounge von „Delfin Amazon Cruises“ gekühlte Handtücher und Drinks auf die Ankömmlinge warten. Bald bittet der Skipper zum Abendessen aufs Oberdeck. Der Koch hat in Gourmetrestaurants in Lima so gut peruanisch und kreolisch kochen gelernt, dass man sich jeden Tag wieder gern an seine Tafel setzt. Als die Gäste schlafen gehen, steuert der Skipper das Schiff in die Finsternis, weg von der Zivilisation.

Beiboote gleiten leise durch ein unerforschtes Tier- und Pflanzenreich

Im Morgengrauen zieht der Regenwald vorbei, wie eine undurchdringliche grüne Wand. Guide Adonay hilft den Passagieren ins Beiboot. Seit 20 Jahren führt der Einheimische Besucher durch das weitenteils noch unerforschte Tier- und Pflanzenreich des Amazonasbeckens. Das Boot gleitet leise in die grüne Wand hinein. Affen lärmen durch das Geäst, über Flussarme und Sümpfe schwirren bunt schillernde Insekten und Vögel. Ein Faultier hängt reglos wie ein Sack im Baum, es vertilgt in Zeitlupe Blatt für Blatt. Auf einem See teilt Adonay Angelruten aus. Seine Gäste wollen die Piranhas überlisten. Doch die Biester fressen nur die Köder vom Haken. Die Nachtsafari ist ein Erlebnis: Mit ihren Taschenlampen spüren die Guides schwarze Kaimane auf, die am Ufer versteckt nach Beute spähen, derweil Fledermäuse und Nachtreiher auf dem Wasser Fische jagen und Leuchtkäfer das Dunkel illuminieren. Eine Symphonie von Tierstimmen erfüllt den Dschungel, darüber blinkt bombastisch der Sternenhimmel.

Gemeinsam mit Amazonas-Delfinen schwimmen

Alles nichts gegen die Delfine. Im Naturschutzgebiet Pacaya-Samiria kann man mit ihnen schwimmen. Richtig, dort liegen Flussarme, die bei Piranhas unpopulär, dafür beliebt bei rosa und grauen Delfinen sind. Lustig sehen sie aus. Nicht wie Flipper, sondern pummeliger und mit Mäulern wie Pinocchio-Nasen, die sie nah am Kanu neugierig aus dem Wasser stecken. Gäbe es ein Guinness – Buch der unvergesslichen Erlebnisse, das Schwimmen mit freilebenden Amazonas – Delfinen hätte einen Platz darin. Man muss sich nur trauen.